Bertram Hasenauer. Nature of time
Augustenstraße 63
08.05. bis 06.06.2026
Eröffnung – Bertram Hasenauer ist anwesend
Freitag, 08.05.2026, 18 bis 21 Uhr
„Nature of time“ beschreibt keinen Zustand, sondern einen offenen Resonanzraum. Wie so oft bei Bertram Hasenauer bleibt er geradezu 'präzise unpräzise' und lädt zu kontinuierlicher Reflexion ein. Auch die einzelnen Werke entziehen sich eindeutigen Zuschreibungen. Seit Jahren verzichtet er etwa bewusst auf Titel, um es den Bildern selbst zu überlassen, ihre inhaltlichen Spannungen zu entfalten. Ausgangspunkt der Ausstellung bildet ein Werk aus dem Jahr 2024, ein frontales Porträt, dessen Oberfläche durch eine vierfache Faltung strukturiert ist. In sepiaartigen Tönen gehalten, erinnert es an eine gealterte Fotografie – ein Bild, das man zufällig in der Tasche eines Mantels oder zwischen Buchseiten finden könnte.
Es ist weniger das Motiv selbst als der Moment des Wiederentdeckens, der hier zum eigentlichen Thema wird: ein plötzlicher Impuls, eine Erinnerung, die sich nicht vollständig greifen lässt und doch eine tiefe Emotion hervorruft. Die dargestellte Person bleibt unbestimmt, wirkt zugleich vertraut und fremd. Diese Form der Darstellung, die zwischen Allgemeinem und Individuellem vermittelt, steht im Zentrum der Werke von Bertram Hasenauer. Seine 'Porträts' sind keine Abbilder bestimmter Menschen, sondern vielmehr Verdichtungen; Figuren, die als Typus erscheinen und dennoch den Eindruck persönlicher Präsenz erwecken. Indem sie sich einer eindeutigen Identität entziehen, verweilen sie in einer Art Schwebezustand aus Zugänglichkeit und Verschlossenheit. Diese Kombination erzeugt eine Bildwirkung, die eher erfahren als gelesen werden muss.
Formal durchbrechen subtile Irritationen wie Verdopplungen, minimale Versätze oder fragmentarische Eingriffe ebenfalls die scheinbare Geschlossenheit der Darstellung. Sie verleihen den Arbeiten eine innere Bewegung und verweisen auf Zeit nicht als lineare Abfolge, sondern als Prozess von Überlagerung und Veränderung, der sich selbst als Spur im Bild einschreibt. Die Ambivalenz wird durch die Farbigkeit noch verstärkt: Gedämpfte Töne aus Braun, Weiß und Grau treffen auf monochrome Setzungen intensiver Farben wie Rot oder Blau, deren Leuchtkraft sich aus der Schichtung transparenter Lasuren entwickelt.
Eine zentrale Rolle spielt die Materialität. In neueren Arbeiten kontrastiert Bertram Hasenauer seine fein lasierende, kontrollierte Malweise mit grob übergrundierten Leinwänden. Diese Arbeitsweise erzeugt eine besondere physische Präsenz und ist eng mit seinem künstlerischem Hintergrund als Bildhauer verbunden, aufgrund dessen er Malerei räumlich denkt. Stofflichkeit, etwa in den detailliert ausgearbeiteten Faltenwürfen, wird in den Werken damit häufig zum stillen Bedeutungsträger.
Auf diese Weise entstehen Werke, die gleichermaßen im Hier und Jetzt wie zeitlos wirken. Sie fordern dazu auf, sich auf feine Verschiebungen einzulassen, auf jene Momente, in denen Wahrnehmung und Imagination ineinandergreifen. Durch diese Offenheit entstehen Bilder der Begegnung, die nie wirklich abgeschlossen sind, sondern sich im Blick der Betrachtenden fortsetzen.