June Hwajung. On my way to you
Reinsburgstraße 68A
27.03. – 25.04.2026
Eröffnung – June Hwajung ist anwesend
Freitag, 27.03.2026, 18 bis 21 Uhr
Die malerische Praxis von June Hwajung ist stark von seiner langjährigen Beschäftigung mit traditioneller koreanischer Kunst geprägt. Seine Werke beginnen mit einer Schicht dünnen koreanischen Papiers, die auf die gesamte Leinwand aufgetragen wird. Anschließend bemalt er weitere Blätter koreanischen Papiers mit Wasserfarben, schneidet Teile davon aus und klebt sie auf die vorbereitete Oberfläche. Dieser collageartige Prozess erzeugt eine nuancierte räumliche Tiefe mit einer starken strukturellen Präsenz. Gelegentlich fügt er am Ende mit schwarzer koreanischer Tinte einen figurativen Akzent hinzu.
In der „Garden“-Reihe erscheint der Garten als ein widersprüchlicher Raum, in dem Natur und menschliches Verlangen aufeinandertreffen. Obwohl er nach einer natürlichen Umgebung aussieht, wird der Garten durch kontinuierliche Akte der Auswahl, Platzierung, Pflege und Entfernung geprägt. Einige Pflanzen werden geschützt, während andere ausgeschlossen werden. Diese Logik reflektiert Strukturen von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, Ansiedlung und Vertreibung.
„Der Garten ist ein Ort, in dem Pflanzen unbekannter Herkunft nebeneinander wachsen. Manche schlagen Wurzeln und bleiben, während andere nur kurz auftauchen und dann wieder verschwinden. Dieser Garten wurde zu einer Metapher für Migration, Anpassung und fragile Zugehörigkeit, die tief mit meinen persönlichen Erfahrungen im Einklang steht.“ Nach und nach wächst der Garten über eine private Erinnerung hinaus in einen breiteren sozialen Rahmen. Trotz zunehmender globaler Vernetzung werden die Grenzen von Identität und Nationen immer starrer. Der Garten fungiert nicht als idyllischer Naturraum, sondern als ein konstruiertes System, in dem menschliches Eingreifen, Klassifizierung und stiller Widerstand miteinander koexistieren. Die Arbeiten stellen die Frage, unter welchen Bedingungen wir überleben und wo wir Wurzeln schlagen dürfen.
Die zweite Werkserie in der Ausstellung, „Domestic Disorientation“, befasst sich mit dem Zustand, der entsteht, nachdem die Logik von Fürsorge und Kontrolle, die einst durch den Garten verkörpert wurde, in den häuslichen Innenraum übergeht. Das Zuhause scheint zwar der privateste aller Räume zu sein, doch es ist auch der Ort, an dem soziale Normen und Lebensvorstellungen auf subtile Weise reproduziert und verinnerlicht werden. Diese Serie konzentriert sich auf die Momente, in denen diese Angleichung zu scheitern beginnt.
Figuren fehlen. Stattdessen werden die Kompositionen von häuslichen Objekten, abgenutzten Werkzeugen, verstreuten Gegenständen und Topfpflanzen gebildet. Gegenstände, die ihre Funktion verloren haben, aber nicht entfernt wurden, offenbaren einen Zustand des Lebens, der nicht mehr den Erwartungen an Produktivität oder zweckmäßigen Nutzen entspricht. In Form von Topfpflanzen erscheint der Garten als Miniatur im Haus wieder. Obwohl sie leben, existieren diese Pflanzen unter völlig künstlichen Bedingungen und sind auf ständige Fürsorge angewiesen. Ihr Überleben unter bestimmten Bedingungen spiegelt Körper wider, die sich nach der Migration ständig anpassen und neu ausrichten müssen. Pflege führt hier nicht zu Stabilität, sondern zu fortwährender Regulierung.
Die Farben sind bewusst kräftig und lebhaft. Während sie die Bilder eines glanzvollen, befreiten Lebens widerspiegeln, wie sie in den Medien verbreitet werden, werden sie in diesem Raum zu einer Fläche, die Erschöpfung und Instabilität zum Vorschein bringt. "Domestic Disorientation“ präsentiert das Zuhause als einen Raum, der keine Orientierung mehr bietet, in dem das Leben nicht mehr auf natürliche Weise in Einklang steht.
June Hwajung (geb. 1991 in Jeonju, Südkorea) erhielt 2015 seinen BFA in Koreanischer Kunst von der JeonBuk National University, Jeonju, Südkorea, und studiert derzeit in der Klasse von Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste Wien, Österreich.