Justin Mortimer. Bruchlinien
Augustenstraße 63
27.03. – 25.04.2026
Eröffnung – Justin Mortimer ist anwesend
Freitag, 27.03.2026, 18 bis 21 Uhr
Justin Mortimer entwickelt seine Gemälde aus Kollisionen. Figuren, Objekte und Landschaftsfragmente treffen in Bildräumen aufeinander, die zugleich präzise inszeniert und eigentümlich instabil wirken. Ein Körper entzieht sich dem Blick, ein Gesicht ist verborgen, eine vertraute Umgebung wird durch ein irritierendes Element gestört. Was zunächst stimmig erscheint, beginnt mit zunehmender Betrachtung brüchig zu werden.
Die in dieser Ausstellung versammelten Arbeiten aus den letzten Jahren zeigen eine Praxis, die sich dafür interessiert, wie Bilder funktionieren – wie sie anziehen, täuschen, verdecken und verunsichern. Justin Mortimer greift auf ein weitreichendes Reservoir an Bildquellen zurück: gebrauchte Bücher, medizinische Nachschlagewerke, Online-Archive und eigene Fotografien. Daraus entstehen digitale Collagen als vorläufige Kompositionen, die in Malerei überführt und dort fortlaufend verändert werden: übermalt, zurückgekratzt, verschoben, manchmal grundlegend neu gedacht. Viele Leinwände bewahren Spuren dieser Entscheidungen und lassen das Bild als Ergebnis eines offenen Prozesses erfahrbar werden.
Auch die Farbe trägt zu dieser Spannung bei. Fließende Passagen lösen sich neben präzisen Details auf; transparente Schichten stehen neben dicht bearbeiteten Oberflächen. Häufig verschiebt Justin Mortimer die Farbigkeit leicht ins Unwirkliche – Himmel wirken schwefelig, Licht künstlich, helle Töne tragen eine fast toxische Schärfe. So entstehen Bilder von großer visueller Anziehungskraft, in denen Schönheit und Irritation untrennbar verbunden sind.
Diese Malerei ist durch ihre psychologische Aufladung gekennzeichnet. Justin Mortimer erzählt keine abgeschlossenen Geschichten. Vielmehr scheint etwas bereits geschehen zu sein – oder unmittelbar bevorzustehen – ohne dass es vollständig greifbar wird. Entscheidende Informationen fehlen, Motive bleiben verdeckt, Aufmerksamkeit wird gezielt gelenkt. Sehen wird zu einer Form des Suchens. Man betrachtet diese Werke nicht nur, man betritt sie – und befindet sich plötzlich in der unsicheren Position zwischen Zeuge und Eindringling.
Ohne konkrete Ereignisse abzubilden, berühren die Gemälde gegenwärtige Verunsicherungen: die Fragilität des Körpers, die Instabilität sozialer Ordnungen, die beunruhigende Nähe von Gewalt und das Gefühl, dass Vertrautes jederzeit ins Fremde kippen kann. Es ist gerade diese Ungewissheit, die sie ausmacht.
Justin Mortimer (geb. 1970 in Cosford, Großbritannien) machte 1992 seinen Abschluss an der Slade School of Fine Art in London, Großbritannien. 1991 gewann er den BP Portrait Award, was zu einer Reihe von Auftragsarbeiten führte, darunter ein Porträt von Königin Elizabeth II. Einzelausstellungen seiner Werke fanden u.a. in der Parafin Gallery, London (2019), Haunch of Venison, London (2012) und der Mihai Nicodim Gallery, Los Angeles (2011) statt. Er ist in der Publikation "Vitamin P2: New Perspectives in Painting" vertreten, die 2011 bei Phaidon erschien. Er lebt und arbeitet in London, Großbritannien.