June Hwajung (geb. 1991 in Jeonju, Südkorea) erhielt 2015 seinen BFA in Koreanischer Kunst von der JeonBuk National University, Jeonju, Südkorea, und studiert derzeit in der Klasse von Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste Wien, Österreich.

Die künstlerische Praxis von June Hwajung ist stark von seiner langjährigen Beschäftigung mit traditioneller koreanischer Kunst geprägt. Seine Werke beginnen mit einer Schicht "Hanji", dünnem koreanischen Papier, das auf die gesamte Leinwand aufgetragen wird. Anschließend bemalt er weitere Blätter koreanischen Papiers mit Aquarellfarben, schneidet Teile davon aus und klebt sie auf die vorbereitete Oberfläche. Dieser collageartige Prozess erzeugt eine nuancierte räumliche Tiefe mit einer starken strukturellen Präsenz. Gelegentlich fügt er am Ende mit schwarzer Tusche einen figurativen Akzent hinzu.

Obwohl die Werke durch ihre lebhafte Farbigkeit und scheinbar einfachen Motive geprägt sind, eröffnen sie bei näherer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen. June Hwajung beschäftigt sich mit Intimität, Sehnsucht und Verletzlichkeit und untersucht, wie sich Emotionen und zwischenmenschliche Beziehungen in unterschiedlichen Räumen entfalten. Ein Garten wird dabei etwa zur Metapher für Migration und fragile Zugehörigkeit: Pflanzen ungewisser Herkunft wachsen nebeneinander, passen sich an oder erscheinen nur kurz, bevor sie wieder verschwinden. An anderer Stelle wirken Gegenstände innerhalb häuslicher Innenräume aus ihrem vertrauten Zusammenhang gelöst und rufen Zustände der Desorientierung und Instabilität hervor. Indem June Hwajung nachzeichnet, wie Normen, Traditionen und Machtstrukturen in intime Umgebungen verinnerlicht werden, macht seine Arbeit die stillen Spannungen sichtbar, welche die Erfahrungen von Migration, menschlicher Verbundenheit und Identität heute prägen.

June Hwajung, Galerie Thomas Fuchs
On my way to you (with flower), 2024
Aquarellfarbe, Tusche auf ausgeschnittenem koreanischen Papier, auf koreanischem Papier auf Leinwand, 150 x 130 cm